AK-Wien stimmt auch für Initiative des GLB gegen dramatische Jugendarbeitslosigkeit

Glb Wien • 21. Dezember 2020

Während die Corona-Krise unsere Gesellschaft voll im Griff hat, wird oft die dadurch dramatische Entwicklung der Bedingungen für junge BerufseinsteigerInnen übersehen. Es droht eine „Lost-Generation“, die schwer Möglichkeiten findet in einen Beruf einzusteigen. Jugendliche sind von der aktuellen Massenarbeitslosigkeit im Durchschnitt noch mehr betroffen als der Rest der Bevölkerung. Nur mit öffentlichen Investitionen können Jugendliche Perspektiven finden, die neoliberale Marktwirtschaft will und kann das nicht leisten.

Nachdem die 174. Vollversammlung der AK-Wien schon unseren Anträgen zu Psychotherapie auf Krankenschein sowie gegen eine drohende „Pflegelehre“ zugestimmt hat, wurde nun auch unser zugewiesener Antrag für ein Maßnahmenpaket gegen Jugendarbeitslosigkeit im Ausschuss „Arbeit und Arbeitsmarkt“ diskutiert. Der Wortlaut wurde sehr positiv aufgenommen – alle Forderungen fanden Zustimmung!
 
Die Arbeiterkammer Wien spricht sich damit auf unsere Initiative für eine Ausbildungsgarantie bis 25 Jahre, breite Finanzierung von überbetrieblichen Ausbildungsstätten sowie eine Anhebung der Lehrlingsbeihilfen dort auf das Niveau vor der erfolgten Kürzung aus. Außerdem wird auch deutlich gemacht, dass die kapitalistische Marktwirtschaft neoliberaler Prägung keine Lösungen für die brennenden Probleme, die dieses System selbst hervorruft, bringen kann. Die Krisen werden sich verschärfen und die kommenden Sparpakete sind schon im Anmarsch.


Nur gemeinsam können wir erste Verbesserungen für alle erreichen, wie die flächendeckende 30-Stunden-Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich. Damit dem System ein wenig Druck auf die LohnarbeiterInnen entzogen wird.

Der von der AK-Wien nun angenommene Antrag im Wortlaut:


Alle Jugendlichen haben eine Chance verdient - Maßnahmenpaket gegen Jugendarbeitslosigkeit, um eine „lost Generation“ zu verhindern
 

Nach der Finanzkrise von 2008 bekommen die Menschen wieder einmal mit aller Härte zu spüren, dass die kapitalistische Marktwirtschaft neoliberaler Prägung mit wiederkehrenden einschneidenden Krisen und enormen sozialen Verwerfungen einhergeht. Sie bietet jedoch keine Lösungen für diese massiven sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die sie erzeugt. Eine sozial gerechte Gesellschaft lässt sich nur durch staatliche Eingriffe herstellen. Der durch die COVID19-Maßnahmen vertiefte wirtschaftliche Einbruch hatte massenhafte Arbeitslosigkeit zur Folge – dabei ist die wirtschaftliche und soziale Krise noch lange nicht ausgestanden.
 

Jugendliche sind von der aktuellen Arbeitslosigkeit noch stärker betroffen als die Durchschnittsbevölkerung. Im September 2020 waren laut AMS 61.000 Menschen unter 25 Jahren ohne Job (inklusive SchulungsteilnehmerInnen), das sind über 11 Prozent mehr als im Vorjahr – vor der Corona-Krise. Im September fehlten laut AMS 400 Lehrstellen, wenn man das Verhältnis zwischen Lehrstellensuchenden und verfügbaren Lehrstellen direkt vergleicht.
 

Jugendliche und junge Erwachsene erleben große Hürden beim Berufseinstieg und drohende langandauernde Arbeitslosigkeit, wenn nicht entschieden gegengelenkt wird. Für Jugendliche und junge Erwachsene ist es besonders tragisch, wenn der wichtige Lebensabschnitt Berufseinstieg nicht gelingt: Es erzeugt hohen Stress, wenn Zukunftspläne der Jugendlichen scheitern und sie aufgrund der Perspektivenlosigkeit nicht in der Lage sind, sich ein eigenständiges Leben aufzubauen. Langzeitarbeitslosigkeit, Einkommensverlust und Armutsgefährdung, psychische Erkrankungen, Abkehr von der Gesellschaft sind unmittelbare schwerwiegende Auswirkungen auf die jungen Menschen in unserer Gesellschaft. Künftige Fachkräfte fehlen obendrein. Großes individuelles Leid und hohe gesellschaftliche Kosten wird die Rekordjugendarbeitslosigkeit ohne zusätzliche Fördermaßnahmen zur Folge haben.
 

Die Bundesregierung ist also dringendst gefordert, eine „lost Generation“ zu verhindern, den Jugendlichen eine Chance zu geben und zu vermitteln, dass sie und ihre Fähigkeiten eine Bedeutung haben. Das Ziel muss sein, im großen Stil Lehrstellen zu schaffen in der Verwaltung, in staatlichen und staatsnahen Betrieben und den Lehrwerkstätten, die in der Vergangenheit sogar Kürzungen hinnehmen mussten.
 

Die 174. Vollversammlung der AK Wien fordert daher die Bundesregierung auf, die alarmierenden Zahlen ernst zu nehmen und folgende Maßnahmen zu ergreifen, um Jugendlichen auch in der Krise eine berufliche Zukunft zu ermöglichen:



  • Eine Ausbildungsgarantie bis 25 Jahre sicherstellen.
  • Ausreichende Finanzierung und deutliches Aufstocken von Plätzen in überbetrieblichen Ausbildungsstätten wie Produktionsschulen und Lehrwerkstätten, sodass diese den Lehrstellen-Rückgang anderer Betriebe ausgleichen können.
  • Anhebung der Beihilfen zumindest auf 792 Euro für über 18-Jährige im dritten Lehrjahr in überbetrieblichen Lehrausbildungen, also auf das Niveau vor deren Kürzung.

GLB Wien

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Anlass für das Thema war das 100-jährige Jubiläum des Frauenreferats, gegründet von Käthe Leichter, damals wie heute mit der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Die schwierige Vereinbarkeit von Lohnarbeit und Sorgearbeit gipfelt in der hohen Teilzeitquote bei Frauen. Dies ist kein privates, sondern ein systemisches Problem. Der GLB unterstützt die Gleichstellung, beispielsweise durch die Forderung nach guten Lohnabschlüssen. Unser Antrag gegen Nulllohnrunden und für eine aktive Lohnpolitik – was gerade in unterbezahlten Branchen Frauen helfen würde – wurde jedoch abgelehnt.