Erster Mai 2026 - Ein Kampftag, kein Feiertag!
Am 1. Mai war der GLB Wien sehr aktiv: Zumarsch zur großen Ringdemo vom Praterstern, Teilnahme an der großen Ringdemo ab der Albertina von KPÖ und Bündnispartner:innen sowie bei den Maifesten im Cafe 7Stern und in Favoriten am Reumannplatz. Es gab zwei Reden von Landesvorsitzendem und AK-Rat Patrick Kaiser.
GLB-Wien Landesvorsitzender und AK-Rat sowie Personalvertreter für den GLB Patrick Kaiser konnte sowohl bei der Albertina, als auch beim Favoritner Maifest der KPÖ & Junge Linke & KJÖ mit einem Infostand des GLB Wien jeweils eine Rede halten.
Die Rede bei der Albertina:
Liebe Genoss:innen, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Zunächst möchte ich mich wie immer dafür bedanken, dass ich hier als Wiener Landesvorsitzender und AK-Rat des Gewerkschaftlichen Linksblocks, des GLB, und vor allem als einer von euch sprechen darf. Nur gemeinsam können wir etwas verändern! Ich freue mich, dass so viele junge und engagierte Leute auch bei der traditionellen Ersten Mai Demo kommunistische Ziele vertreten und die Ausbeutung durch die Lohnarbeit thematisieren.
Der 1. Mai ist ursprünglich kein Feiertag, er ist ein Kampftag. Ich möchte einen kurzen Abriss der Entstehung des 1. Mai geben, der in der Gewerkschaftsbewegung liegt. Am 1. Mai 1884 begann in den USA ein großer Generalstreik. Ziel war es, die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden zu verkürzen. 1890 fanden dann auch in Österreich Demonstrationen zu Arbeitszeitverkürzung und für das allgemeine Wahlrecht statt. Dabei wurde auch eine traditionelle "Corsofahrt" der Aristokratie auf der Ringstraße verhindert. Arbeiter:innen nahmen sich den Raum, der Bourgeiosie aus Bürgertum und Adel vorbehalten war.
Ab 1892 fanden sozialdemokratische, aber auch kommunistische Aufmärsche statt. Die Klassenverhältnisse wurden kritisiert und das Selbstbewusstsein der Lohnarbeiter:innen wurde thematisiert. Nach dem Ersten Weltkrieg ließen sich die Kundgebungen auch im austrofaschistischen Regime nicht unterkriegen: Es wurden alternative Feiern und kleinere Märsche organisiert.
Symbolträchtige Aktionen waren zum Beispiel das Aufhängen roter Bettlaken anstelle verbotener Fahnen. Kommunist:innen organisierten trotz des Verbots weiterhin politische Aktivitäten – ein mutiger Akt des Widerstands. Dieser Mut ist unser Erbe!
Nach der Unterdrückung im Nazi-Regime gab es ab 1945 bald einen Bruch innerhalb der Arbeiter:innenbewegung. Die Sozialdemokratie feiert seitdem den 1. Mai meist als "Siegeszug" der Sozialpartnerschaft. KPÖ und andere kritische Organisationen wie der GLB bieten einen protest- und klassenkämpferischen Ansatz.
Wir müssen den 1. Mai nicht als „Tag der Arbeit“ begreifen, sondern als Tag der lohnarbeitsabhängigen Menschen jedes Alters und jedes Geschlechts – ein Symbol für den gemeinsamen Kampf um mehr gesellschaftliche Rechte und Errungenschaften. Die Sozialpartnerschaft als Herrschaftselement der Mächtigen lehnen wir ab. Keine Partnerschaft mit dem Kapital!
Aktuell dominieren Imperialismus und Krieg die Weltpolitik. Wir müssen gemeinsam aufstehen gegen geopolitische Machtinteressen und kapitalistische Ausbeutung.
Echter Frieden ist sozialer Frieden. Und sozialer Frieden ist unvereinbar mit einem System, das auf Konkurrenz, Ausbeutung und Profit basiert. Deshalb gehen wir - auch im Zeichen der desaströsen Sparpakete und fortschreitenden Zerstörung der Daseinsvorsorge - am 1. Mai gemeinsam für die Stimmen aus den Betrieben auf die Straße! Aber nicht nur dann!
Zum Abschluss möchte ich gerne kurz darauf hinweisen, dass der GLB eine Kampagne gestartet hat:
Jeden Tag wird das Leben teurer! Während Miete, Heizen, Mobilität und selbst Lebensmittel für viele Menschen in unserem Land immer mehr zur finanziellen Belastung werden, steigt gleichzeitig der Reichtum einiger, weniger Menschen.
Milliarden, die in Aufrüstung fließen und die Gewinne der Rüstungskonzerne finanzieren, müssen sofort eingespart werden. Gleichzeitig braucht es ein Steuersystem, das endlich die großen Vermögen einbezieht, in Form einer Vermögenssteuer. Wir bitten euch, unsere Kampagne mit eurer Unterschrift zu unterstützen!
Glück auf und Freiheit!
Die Rede am Favoritner Maifest:
Zuerst einmal: Danke, dass ich heute hier in Favoriten für den Gewerkschaftlichen Linksblock, den GLB sprechen darf. Ich stehe hier als Wiener Landesvorsitzender und als AK-Rat – aber vor allem stehe ich hier als einer von euch.
Denn eines ist klar: In einem Bezirk wie Favoriten wissen wir, dass wir uns auf die Politik des Kapitals nicht verlassen können. Nur gemeinsam, von unten nach oben, können wir wirklich etwas verändern!
Ich freue mich besonders, dass heute so viele junge Gesichter hier sind. Es ist großartig, dass ihr hier seid, um kommunistische Ziele zu vertreten und die Ausbeutung durch Lohnarbeit beim Namen zu nennen
Wir müssen uns immer wieder daran erinnern: Der 1. Mai ist ursprünglich kein Feiertag. Er ist ein Kampftag. Ein Tag, an dem Arbeiter:innenklasse ihre Stimme lauthals erhebt. Ob 1884 in den USA oder 1890 hier in Wien – die Arbeiter:innen mussten und müssen sich jedes Recht, jede freie Minute Aufmerksamkeit erkämpfen. Selbst im Austrofaschismus haben Kommunist:innen rote Bettlaken aus den Fenstern gehängt, weil Fahnen verboten waren. Dieser Mut ist unser Auftrag!
Schauen wir uns an, was heute in dieser Stadt passiert. Die Stadtregierung spricht von „Budgetsanierung“, aber wir nennen es beim Namen: Es ist sozialer Kahlschlag auf dem Rücken derer, die ohnehin nur die Ausbeutung gemeinsam haben!
Während für Prestigeprojekte wie der Stadtstraße für Logistikunternehmer, für eine „Event-Arena“ in Neu Marx zugunsten eines privaten Veranstaltungskonzern und dem Fernbusbahnhof für private Transportunternehmen Millionen locker sitzen, wird beim sozialen Kern der Stadt der Rotstift angesetzt.
In der Gesundheitsversorgung wird gespart, es sollen 800 Spitalsbetten abgebaut werden. Außerdem will Bürgermeister Ludwig die Entlohnung dringend benötigter Pflegekräfte in den Spitälern an die niedrigeren Gehälter z.B. in Niederösterreich anpassen. Ich bin Intensivkrankenpfleger im Wiener Gesundheitsverbund, den städtischen Spitälern und werde - wie viele andere in sozialen und Gesundheitsberufen - in den nächsten Jahren massive Reallohnverluste hinnehmen müssen.
Bei der Suchthilfe und auch bei der Erwachsenenbildung bedeuten die Kürzungen bereits Massenentlassungen. Bei der Mindestsicherung werden die ärmsten mit dramatischen Kürzungen bedacht.
Und das sind nur einige Beispiele, warum in Wien eine soziale Änderung notwendig ist!
Insgesamt stehen uns die schwersten Kürzungen noch bevor! Allein im nächstes Jahr sollen weitere 1,3 Milliarden Euro durch eine sozialdemokratische Stadtregierung mit neoliberalen Einsprengelungen eingespart werden. Wir können uns noch gar nicht vorstellen, was in den nächsten Jahren alles möglich sein wird!
Die Sozialdemokratie feiert trotzdem gerade heute, am 1. Mai, dem Kampftag der Lohnarbeitspflichtigen Bevölkerung, den „Sieg der Sozialpartnerschaft“.
Wir fragen: Welche Partnerschaft? Ist es Partnerschaft, wenn die Mieten im Gemeindebau steigen, während die Immohaie Rekordgewinne einfahren? Wenn die Wohnbauförderung für alle Lohnabhängigen steigt, die leistbaren Wohnungen aber immer weniger werden? Ist es Partnerschaft, wenn wir Reallohnverluste fressen, während Banken und Energieversorger Übergewinne scheffeln? Wir lehnen die Kuschel-Sozialpartnerschaft mit dem Kapital ab!
Echter Frieden ist sozialer Frieden. Und dieser ist unvollständig, solange Menschen in Favoriten nicht wissen, wie sie ihr Leben in den nächsten Monat finanzieren sollen. Sozialer Frieden ist unvereinbar mit einem System, das auf Konkurrenz, Ausbeutung und Profit basiert.
Wir begreifen den 1. Mai nicht als „Tag der Arbeit“, sondern als Tag der Lohnabhängigen – egal welchen Alters, welcher Herkunft oder welchen Geschlechts.
Wir stehen heute gemeinsam mit der KPÖ auf die Straße. Wir sind die Stimme aus den Betrieben. Nicht nur heute! Wir bleiben laut, bis wir dieses System geändert haben!
Zum Abschluss möchte ich gerne kurz darauf hinweisen, dass der GLB eine Kampagne gestartet hat:
Milliarden, die in Aufrüstung fließen und die Gewinne der Rüstungskonzerne finanzieren, müssen sofort eingespart werden. Gleichzeitig braucht es ein Steuersystem, das endlich die großen Vermögen einbezieht, in Form einer Vermögenssteuer.
Wir bitten euch, unsere Kampagne mit eurer Unterschrift zu unterstützen!
Glück auf und Freiheit! Hoch der 1. Mai!

GLB Wien














